Der Anfang – Warum der kompass entstanden ist
Ein Beitrag von Melanie Lindemann
Manchmal beginnt etwas nicht mit einer Idee.
Sondern mit einem Gefühl.
Einem Gefühl von: Hier fehlt etwas – obwohl so viel da ist.
Ich habe so viele Menschen erlebt, die mit Haltung arbeiten.
Die für Teilhabe brennen.
Die mehr wollen als nur Standard –
und trotzdem in Abläufen feststecken, in Zuständigkeiten, in gut gemeinten Vorgaben.
Ich habe Leitungsteams begleitet, die zwischen Steuerung und Menschlichkeit balancieren.
Mitarbeitende, die Verantwortung tragen – und sich selbst dabei verlieren.
Und Nutzer:innen, die selten gefragt wurden, was sie eigentlich brauchen.
Die oft gelernt haben, sich anzupassen – statt mitzugestalten.
Nicht, weil sie es nicht könnten. Sondern weil man sie zu selten lässt.
Irgendwann war klar:
Es braucht etwas, das Haltung nicht nur beschreibt,
sondern greifbar macht.
Etwas, das Klarheit bringt – und Bewegung möglich macht.
So begann der Weg zum ondela kompass.
Die Idee vom ondela kompass
Ich wollte kein weiteres Modell. Kein Poster fürs Leitbild. Kein Tool, das nach zwei Wochen wieder im Schrank verschwindet. Ich wollte etwas, das bleibt. Das sich in den Alltag einfügt – in Meetings, Teilhabebegleitungen, Gespräche. In das, wie Organisationen leben, arbeiten, führen.
Der ondela kompass ist ein praxiserprobtes Konzept für wirksame Personal- und Organisationsentwicklung in der Eingliederungshilfe. Entstanden auf Basis von über 30 Jahren Erfahrung – und mit dem Anspruch, Realität, Haltung und Struktur zusammenzubringen. Er beinhaltet konkrete Werkzeuge, aber er ist mehr als die Summe seiner Tools.
Der kompass hilft Trägern, ihre eigene Richtung zu finden – nicht nur auf dem Papier, sondern im gelebten Alltag. In Teams, in Führungsrunden, in Begegnungen mit Nutzer:innen. Er schafft Orientierung, ohne einzuengen. Er macht Mut, ohne zu überfordern.
Teilhabe gelingt nicht durch neue Formulare –
sondern durch eine Haltung, die man leben kann.
Und durch Strukturen, die diese Haltung tragen.
Der kompass ist mein Beitrag dazu. Und der Anfang von etwas, das wächst.
Wie er Form angenommen hat
Mit der Zeit wurde mir immer deutlicher:
Der ondela kompass ist nicht als fertige Antwort entstanden, sondern aus vielen echten Situationen heraus.
Aus Momenten, in denen Teams festhingen.
In denen gute Ideen da waren – aber kein gemeinsamer Rahmen.
In denen Verantwortung verteilt war, aber Orientierung fehlte.
Ich habe erlebt, wie viel Kraft verloren geht,
wenn Menschen nicht wissen, wo sie ansetzen können
oder wie sie Haltung in konkretes Handeln übersetzen sollen.
Der kompass ist genau hier gewachsen.
Nicht am Reißbrett, sondern in der Begleitung.
Im Zuhören. Im Sortieren. Im gemeinsamen Hinschauen.
Wofür der ondela kompass steht
Mir war eines besonders wichtig:
Der ondela kompass sollte keine Schablone sein, die man über Organisationen legt.
Er ist ein Denk- und Arbeitsrahmen, der Unterschiedlichkeit zulässt
und trotzdem Verbindlichkeit schafft.
Kein Entweder-oder zwischen Menschlichkeit und Steuerung.
Kein Entweder-oder zwischen Haltung und Struktur.
Sondern ein Sowohl-als-auch,
das im Alltag tragfähig ist
und Entwicklung nicht verspricht,
sondern möglich macht.
Der Bussard gehört zum ondela kompass dazu.
Nicht als Erklärung, sondern als Bild.
Er steht für den Blick von oben, für Abstand und Überblick –
und für den Moment, in dem aus Beobachten eine Entscheidung wird.
Diese Haltung prägt den kompass genauso wie seine Inhalte.
Und zum Schluss: Was ich wirklich meine
All das – die Idee, die Haltung, die Gestaltung – wäre nichts,
wenn es sich nicht in der Praxis bewähren würde.
Der ondela kompass ist keine Theorie.
Er ist gemacht für Organisationen, die sich bewegen wollen.
Für Menschen, die wissen:
Veränderung passiert nicht auf PowerPoint-Folien.
Sondern im Alltag. Im Gespräch. Im Widerstand. Im Miteinander.
Was ich mit dem kompass wirklich meine?
Ich versuche es einmal grob zu skizzieren:
1. Entwicklung braucht Klarheit – nicht mehr Methoden.
Der kompass ersetzt kein System, sondern bringt Ordnung ins Bestehende.
Er macht sichtbar, wo Veränderung möglich ist – und wie sie wirksam werden kann.2. Teilhabe beginnt mit Haltung – nicht mit Paragrafen.
Nur wer Menschen wirklich einbezieht, kann Unterstützung gestalten, die Sinn ergibt.
Dafür braucht es mehr als Formulare: Es braucht Beziehung.3. Wirkung entsteht da, wo Unterschiedlichkeit sich verbindet.
Nicht im Konsens, sondern im Dialog. Nicht durch Glätten, sondern durch Reibung.4. Gestaltung ist kein Nebenschauplatz.
Sprache, Design und Kommunikation sind Teil der Wirkung – nicht Verpackung.
Sie prägen, wie Organisationen wahrgenommen werden. Und wie sie sich selbst verstehen.5. Führung heißt: Orientierung geben, ohne zu beschneiden.
Der kompass unterstützt dabei, Entscheidungsräume zu strukturieren –
und Verantwortung so zu teilen, dass sie tragfähig wird.6. Organisationen sind lebendig.
Was heute stimmt, kann morgen wackeln. Der kompass hilft, beweglich zu bleiben –
ohne den Kurs zu verlieren.7. Menschlichkeit ist kein Extra.
Sie ist der Maßstab. Der Anfang. Das Ziel.
Und vielleicht das Mutigste, was wir Organisationen heute zumuten können.